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Bräuche aus vergangenen Zeiten

am 13.04.2017

Schlaufuchs-Reporter haben Wikingermarkt in Schlotzau besucht

Wie aus Läusen Farbe wird, was es mit Sprangen auf sich hat und wozu ein Friemel gut ist, das und mehr hat Schlaufuchs-Reporterin Enya Baier (7) aus Burghaun beim Winkingermarkt in Schlotzau erfahren.

Der Wikingermarkt in Schlotzau war für mich und meine Familie ein tolles Erlebnis. Direkt nach dem Einlass fiel mir ein großer Topf mit einer roten Flüssigkeit auf. Pflanzenfärber Sven Block hat mir erklärt, wie die Farbe entsteht: Nopal-Schildläuse, welche in Mexiko, Texas, Algerien, auf den Kanarischen Inseln und in Kalifornien vorkommen, spielen die Hauptrolle bei der Farbgewinnung.
Sie leben auf verschiedenen Kakteenarten und enthalten den Farbstoff Karmin. Deshalb werden sie sogar gezüchtet. Die befruchteten, getrockneten Weibchen kommen als Coccionella, Koschenille oder Alkermeskörner in den Handel. Der Farbstoff, der aus ihnen gewonnen wird, heißt Karminsäure. Damit lässt sich Stoff wunderschön rot einfärben, das hat sicherlich auch den Wikingerinnen gut gefallen.
An einem anderen Zelt wurde ich auf eine junge Frau aufmerksam, welche eine Handarbeit vor sich hatte. Es sah aber anders aus, als ich es vom Weben kenne. Ich sprach sie an und sie erklärte mir, dass es sich dabei um die Technik Sprangen handelt. Davon hatte ich noch nie gehört. Das Sprangen ist eine uralte Flechttechnik. Ihre Tradition geht zurück bis ins fünfte Jahrhundert vor Christus.
Die Besonderheit des Sprangens erkennst du, wenn du es mit dem Weben vergleichst. Beim Weben hast du ein System aus senkrechten und waagerechten Fäden. Beim Sprangen gibt es hingegen nur ein einzelnes, senkrechtes Fadensystem, welches untereinander verdreht wird. Damit konnten sich die Wikingerinnen schöne Haarnetze und Strümpfe sprangen.
Wusstest du, dass die Wikinger früher Gänseflügel zum Kehren benutzten? Sie kehrten damit das Mehl am Mühlstein zusammen. Doch bevor es etwas zum Kehren gab, wurden die Körner oben in den Mühlstein eingefüllt und durch kreisende Bewegungen von den zwei Mühlsteinen zerrieben. Erst danach kehrte man das Mehl zusammen und siebte es durch. Bis zu dreimal mussten die Wikinger diesen Arbeitsschritt wiederholen. Aus dem so gewonnenen Mehl backten sie Brot oder Fladen für ihre Familien.
Der Friemel gehörte zum Handwerkszeug der Korbflechterin, Frau Dreeßen. Sie fertigte geschickt Körbe aus Weidenzweigen. Ich durfte ihr dabei über die Schulter schauen und habe so erfahren, was es mit dem Friemel auf sich hat. Mit dem Friemel kannst du Weidenzweige in das Geflecht einfügen. Daher kommt auch das Sprichwort „das ist aber friemelig“. Während des Flechtens muss Frau Dreeßen viel Geduld aufbringen. Nur so entstehen die schönen Körbe. Auf dem Wikingermarkt wurde  auch gezeigt, wie die Leute früher Schmuck hergestellt haben. Das war spannend. Mit derselben Technik, mit der Kettenhemden gemacht werden, habe ich ein Armband gebastelt.

Wie lange benötigt man, um ein Kettenhemd zu fertigen? Aus wie vielen Teilen besteht ein Kettenhemd, und wie gießt man aus Zinn Kettenanhänger? Das hat Schlaufuchs-Reporter Kimmy Joel Baier (9) aus Burghaun beim Winkingerfest in Schlotzau in Erfahrung gebracht.

Die Sonne schien wunderbar in Schlotzau. Überall auf dem Platz sah man starke Wikinger. Manche mit Rüstung, manche in normaler Wikingerkleidung. Es faszinierte mich sehr, die verschiedenen Arten von Waffen zu sehen und auch mit deren Besitzern zu sprechen. Bei den Schwertern gibt es ein- und zweischneidige Schwerter. Die größeren einschneidigen Schwerter hießen "langsax" oder auch "scramasax". Die Klinge war so circa 80 Zentimeter lang. Außerdem besaß der Wikinger auch Messer, Axt, Speer und/oder Keule. Sehr wichtig war das Schild. In der Wikingerzeit war es kreisrund. Damit konnte man sich im Kampf schützen. Das hat man in Schlotzau bei den Kämpfen auch deutlich sehen können. Damit ein Schild beim Waffenappell anerkannt wurde, musste es mindestens drei Metallquerbänder haben, die es zusammenhalten. Auch die Helme dienten dem Schutz des Kämpfers. Manche Helme hatten Wangenklappen, andere eine Kettenbrünne (das ist ein kleines Kettenhemd am Helm). 

Die Kettenhemden schützten die Kämpfer auch vor den Waffen der Gegner. Ein einziges Kettenhemd herzustellen, dauert bis zu 180 Stunden und ist eine mühsame Arbeit. Ein Kettenhemd besteht aus circa 20000 kleinen Stahlringen, die miteinander verkettet werden. Da man bei der Herstellung jeden zwei Mal anpacken muss, hat man echt gut zu tun.

Natürlich waren die Kämpfe ein Höhepunkt. Die Wikinger waren nett und haben sogar in den Kampfpausen mit uns Kindern geredet. Man hat gemerkt, wie anstrengend das Ganze war. Sie haben viel Wasser getrunken und waren ganz außer Atem. Aber es hat allen echt Spaß gemacht.

Nach den Kämpfen habe ich mich beim Zinngießen versucht. Man konnte unter verschiedenen Motiven aussuchen. Dann wurde das Zinn in eine kleine Schale im Feuer gestellt und mittels Muskelkraft hat man den Blasebalg bedient. Das Feuer half, das Zinn zu verflüssigen. Die Form bestand aus zwei Steinen, die aneinander gehalten wurden. Durch eine Öffnung wurde das flüssige Zinn eingefüllt. In Sekundenschnelle war es ausgehärtet und dann habe ich nur noch die Kanten gefeilt. Fertig war mein eigener Wikingerdrache. Ein tolles Andenken an diesen besonderen Tag.

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