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Vom Schauspiel unter freiem Himmel

am 05.07.2016

Reporter blicken hinter die Kulissen des Stücks Krabat bei den Hersfelder Festspielen

Bevor sie sich Krabat in der Bad Hersfelder Stiftsruine ansahen, durften unsere Schlaufuchs-Reporter hinter die Kulissen der Festspiele schauen. Sie trafen die Schauspieler Anton Rubtsov (Krabat) und Robert Joseph Bartl (Meister) sowie Regisseur Joern Hinkel. Filice Reiprich (13) aus Fulda und Niklas Witzel (16) aus Eichenzell berichten.

Anton Rubtsov (29, Krabat)

Sie verleihen der Hauptfigur in Krabat ihre Stimme und ihren Körper. Ist das eine Ehre für Sie?
Ja, es ist meine erste Hauptrolle außerhalb meines Schauspielstudiums.

Was ist das Reizvolle daran, unter freiem Himmel zu spielen?
Ich mache das zum ersten Mal. Ein krasser Unterschied! Als Schauspieler bin ich es gewohnt, auf einer Bühne im Theater zu spielen. Dabei fließt jedes Wort in das Publikum.  Hier entweicht das Gesagte auch in den Himmel. Ich weiß noch nicht, ob das gut ist.

Wie sind Sie zu dieser Hauptrolle gekommen?
Ich wurde von Joern Hinkel gefragt, ob ich Lust hätte, den Krabat zu spielen. Wir kannten uns noch von den Festspielen im vergangenen Jahr.

Was war Ihre erste Rolle?
In einem Film der Bella-Block-Reihe spielte ich einen Gitarristen in der U -Bahn.

Was zeichnet die Rolle des Krabat aus?
Krabat hat die Wahl zwischen Gut und Böse. Er muss sich zwischen der Schwarzen Magie, mit der er alles bewirken kann, und der Liebe zu Kantorka, die für die gute und freie Welt steht, entscheiden. Ich finde es spannend, so eine Entwicklung zu spielen: Krabats Hin- und Hergerissen-Sein bis zur Entscheidung für die gute Seite, für die Kantorka, also das Mädchen.

Robert Joseph Bartl (43, Meister)
 
Was ist im Vergleich zu Film und Fernsehen das Besondere am Bühnenschauspiel?

Ich bin Theaterschauspieler. Das Fernsehen ist meine zweite Karriere. Das Besondere am Theater ist, dass man an einem Abend ein komplettes Stück spielt. Bei Fernseh-Produktionen ist das nicht so. Hier wird den ganzen Tag an einer Szene gearbeitet. Beim Theater habe ich das Gefühl, die Geschichte selbst zu erzählen.

Was gefällt Ihnen an der Rolle des bösen Meisters?
Für mich ist der Meister keine böse, sondern eher eine dunkle Rolle. Das macht mehr Spaß, als die Braven zu spielen. Ich finde die Situation der Figur sehr reizvoll. Der Meister hat mit dem Gevatter noch eine Macht über sich. Alles, was er tut, geschieht, damit er selbst nicht stirbt.

Was macht die Festspiele für Sie so reizvoll?
Die Ruine, in der das Stück aufgeführt wird. Ich verbinde sie mit hunderten Jahren, in denen dort kultische Handlungen verrichtet wurden. Und ich glaube daran, dass sich Steine mit Energie aufladen können. Gerade diese Steine sind voll mit Spannung oder Nervosität. Es gibt eine Stelle, bei der ich mich an einer Wand nach oben hieve: Man spürt die Sandsteine und nicht irgendeine Wand im Theater. Das macht einen Unterschied. Meine Zugehörigkeit zur „Dieter-Wedel-Familie“ hat mich zudem hergeführt.

Sie tragen eine Brille. In der Rolle des Meisters aber eine Augenklappe. Wie gehen Sie damit um?
Gut beobachtet! Ich spiele die Rolle mit Kontaktlinsen. Durch die Augenklappe kam es allerdings während der Proben zu einer Lederhautentzündung. Deshalb spiele ich momentan nur mit einer Linse auf dem gesunden Auge.

100 junge Statisten spielen in Krabat mit. Wie ist das?
Es war eine große Herausforderung für mich. Ich habe ein weiches Nervenkostüm, bin extrem geräuschempfindlich. Aber ich habe mit der Zeit meinen Gefallen daran gefunden. Es war spannend, mit Kindern in all ihrer Natürlichkeit und Unbeschwertheit zu arbeiten. 

Joern Hinkel (45, Regisseur)

Was ist Ihre Aufgabe?
Ich bin der erste Zuschauer des Stücks. Ein Schauspieler kann sich nicht beim Spielen zusehen. Er kann nur schwer beurteilen, wie das, was er spielt, nach außen wirkt. Ich reflektiere ihm, was sich von seiner Darstellung in den Zuschauerraum vermittelt. Das Zusammenführen von Bühne, Musik, Kostüm und Licht gehört genauso zu meiner Arbeit.

Wie lange haben die Proben für Krabat gedauert?
Die Proben mit den Kindern und Schauspielern dauerten sechseinhalb Wochen. Davor habe ich mit den Kindern und Jugendlichen Workshops geleitet. Dabei lernten sie, sich bewusst in einem Bühnenraum zu bewegen, zu tanzen und zu sprechen. Davor habe ich mehrere Monate das Stück ausgearbeitet. Man könnte es mit einer Schwangerschaft vergleichen. Am Anfang macht man sich die ersten Gedanken, dann wird der Bauch immer dicker. Man hat nur eine Ahnung, aber kein klares Bild. Am Schluss gibt es schon ein paar Geburtswehen – bis zur Welt kommt, was man sich bisher nur vorgestellt hat.

Wieso sind Sie Regisseur geworden?
Als Kind habe ich den Film Jesus von Nazareth gesehen. Die Kreuzigungsszene hat mich gleichzeitig beeindruckt und erschreckt. Mit meinem Bruder habe ich sie im Garten nachgespielt. Natürlich ohne Nägel! So konnte ich das mir Unverständliche versuchen zu verstehen. Aber ich mache kein Theater aus therapeutischen Gründen, sondern um den Zuschauern eine Freude zu machen. 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Mein Beruf hat so viele Facetten. Es macht mir Freude, wenn es mir gelingt, in den Menschen, sowohl auf der Bühne als auch im Zuschauerraum, Ideen, Gedanken und Gefühle freizusetzen, die sie womöglich noch nicht kannten.


Hier gibt es mehr Bilder zum Ausflug der Schlaufuchs-Reporter zu den Bad Hersfelder Festspielen.

Das Stück Krabat wird noch bis einschließlich 13. Juli in der Bad Hersfelder Stiftsruine gezeigt. Infos zu Terminen und Karten findest du auf der Internetseite Festspiele.

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