Prozess gegen Antisemiten beginnt

Viele Reporter und Zuschauer standen am Dienstag vor dem Gericht in der Stadt Magdeburg und hofften auf einen Platz. Denn sie wollten bei einem wichtigen Prozess dabei sein.

Auf mehr als 120 Seiten steht, warum der Mann angeklagt wird. Fast 150 Zeugen sollen dazu im Gericht befragt werden. 18 Tage sind für die Verhandlung eingeplant. Wer diese Zahlen liest, merkt: Der Gerichtsprozess in der Stadt Magdeburg im Bundesland Sachsen-Anhalt ist sehr wichtig. Am Dienstag ging er los.

Der Angeklagte hat die Taten schon vor dem Prozess größtenteils zugegeben. Trotzdem wurde am Anfang vorgelesen, was ihm vorgeworfen wird. Im Oktober vor einem Jahr hatte er versucht, bewaffnet in eine Synagoge in der Stadt Halle zu kommen. In dem Gebäude hatten sich jüdische Menschen zum Gebet getroffen. Doch der Mann schaffte es nicht durch die gut gesicherte Tür der Synagoge. Kurz darauf tötete er zwei andere Menschen, die in der Stadt unterwegs waren. Schließlich nahm die Polizei den Mann fest.

Viele Menschen sagen: Der Mann handelte aus Hass auf jüdische Menschen. Dieses Problem gibt es schon seit Hunderten Jahren: Juden werden schlechte Eigenschaften unterstellt. Und es werden Lügen über sie erzählt. Vor etwa 80 Jahren waren die Nationalsozialisten in Deutschland an der Macht. Sie verfolgten Juden und brachten viele von ihnen um.

Seitdem sind sich fast alle Menschen einig: So etwas darf nie wieder passieren. Deshalb ist es auch so besonders wichtig, die Verbrechen des Angeklagten ganz genau aufzuklären. Warum hatte er diesen Hass auf Juden? Und hatte er bei seiner Tat vielleicht Helfer?

Etwas gegen Hass zu tun, sei eine Aufgabe für alle, sagte ein Politiker am Dienstag. „Es ist wichtig, dass die Gesellschaft als Ganzes eine klare Antwort gibt.“ Hass habe hier nichts verloren. Ein anderer Politiker sagte: „Wir müssen alles dafür tun, dass Jüdinnen und Juden ohne Bedrohung und Angst in unserem Land leben können.“

 

Foto: (c) dpa