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Von der Kunst, kein Künstler zu sein

am 10.10.2017

Im Kino 35 lief ein besonderer Film über einen besonderen Mann: Joseph Beuys

Ab vom Schuss, unterhalb des Doms und weg von den pulsierenden Hauptstraßen, liegt ein kleines Sträßchen: die Langebrückenstraße. Hier verbirgt sich ein echter Geheimtipp. Das L14 ist ein kreativ-alternatives Café, mit vielen Angeboten und eigenem kleinem Kino: dem Kino35. Ich, Schlaufuchs-Reporterin Tara-Yasmin Heil (11) aus Hauswurz, habe mich dort einmal genau umgeschaut.

Von Tara-Yasmin Heil

Immer wieder werden im L14 außergewöhnliche Filme gezeigt. Ebenso wie der Ort außergewöhnlich ist, sind es auch diese Streifen; Filme voller Leben und Charakter.
Vor Kurzem lief in dem winzigen Kino35 ein Film über einen Künstler, der im 20. Jahrhundert den Kunstbegriff revolutionär erweiterte, der sich selbst nicht als Künstler sah – „es sei denn, wir sind alle Künstler, dann bin ich wieder dabei“, und der mit seinen vielen Werken etwas Besonderes geschaffen hat, was heute noch vielen in guter Erinnerung bleibt. Dieser Mann war Joseph Beuys…
Beuys war fast immer mit seinem Filzhut anzutreffen, der über die Jahre zu seinem Markenzeichen geworden war, aber laut ihm auch eine „Schutzfunktion“ darstellte. Er beschrieb, im Zweiten Weltkrieg habe er einige Kopfverletzungen erlitten, und meinte lachend: „Seitdem zieht es da oben immer so… Ich habe so einen kleinen Dachschaden!“
Beuys war ein Mann mit viel Humor, von der Gesellschaft als Verrückter, als eigenartiger Mensch umstritten wie noch niemand zuvor, doch einige der Menschen, die früher mit ihm zu tun hatten, finden: „Er ist nicht ‚verrückt‘ gewesen. Ich habe ihn getroffen. Und er war außergewöhnlich statt eigenartig, um ehrlich zu sein, war er der erste vernünftige Mensch, den ich getroffen habe.“
Seine Werke waren provokativ, keine seelenlosen Gebilde, die man sich auf sein Regalbrett stellte, eine Weile als Kunst betrachtete und dann vergaß. Sie regten zum Nachdenken an und waren dazu gedacht, neue Formen des Lebens, der Welt zu entdecken, neue Formen der „direkten Demokratie“.
Wie Joseph Beuys sagte: „Provokativ ist es, wenn etwas lebendig wird.“ Einmal, bei einer Pressekonferenz, wurde er auf eine seiner Plastiken angesprochen. Der Sprecher meinte, Beuys habe einen VW gezeigt, aus dem viele kleine Schlitten herauskamen, „das Rudel“ hieße das Kunstwerk, und er selbst habe sich – belustigt gefühlt… Er wolle dem Künstler jetzt natürlich nicht zu nahetreten, so sei es nicht gemeint… An dieser Stelle unterbrach Beuys: „Doch, so haben Sie es gemeint. Sie dürfen doch ruhig lachen! Wollen Sie eine Revolution ohne Lachen?“ Und er lachte.
Ein wichtiger Aspekt seines Schaffens und seiner Kreativität war auch die Heilung, die ihm besonders wichtig war, seit er als Soldat im Zweiten Weltkrieg mit dem Flugzeug abgestürzt war und ihn seine „Feinde“ aus den Trümmern gezogen und ihm so das Leben gerettet hatten.
Beuys kämpfte für seine Überzeugungen. Als er als Dozent an einer Kunsthochschule arbeitete, kümmerte es ihn nicht, was die Menschen über ihn dachten, über ihn sagten. Er tat das, wovon er überzeugt war. So machte sich Beuys auch stark dafür, dass jeder die Chance haben sollte, zu lernen und zu studieren. Einmal sollte er für einen Kurs eine Auswahl von zehn Bewerbern treffen, nahm aber alle 400 Studenten auf. Dies führte zu seiner fristlosen Entlassung. Doch er blieb ruhig und schuf weiter seine Werke.
„Alle können Künstler sein, bei einer Plastik geht es nicht um das Hübsche, sondern um die Gedanken dahinter. Man denkt: Oh, Kunst, kann ich ja machen, was ich will. Aber wozu ist denn Kunst gut, wenn sie nicht besonders ist, wenn sie nichts aussagt, wenn sie nur hübsch ist?“
In diesem Film wird die Person Joseph Beuys nicht erklärt, sondern es wird gezeigt, wie er war. Die vielen guten Rezensionen belegen dies. Dieser erstaunliche Streifen im erstaunlichen Kino über einen erstaunlichen Mann ist nur zu empfehlen. Ich bin froh, dass ich da war. Einfach wow!

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